
Abhängigkeit beschreibt aus Sicht der ASBG einen Zustand, in dem das eigene Wohlbefinden, die eigene Stabilität oder die Erfüllung zentraler Bedürfnisse überwiegend an äußere Personen, Bedingungen oder Umstände gekoppelt wird.
Abhängigkeit ist dabei nicht grundsätzlich problematisch. Menschen sind soziale Wesen und aufeinander angewiesen. Kritisch wird es erst dann, wenn die Fähigkeit zur Selbstregulation zunehmend verloren geht und das eigene Gleichgewicht fast ausschließlich durch andere Menschen oder äußere Faktoren hergestellt werden kann.
In Beziehungen zeigt sich Abhängigkeit häufig darin, dass Nähe, Bestätigung, Orientierung oder Sicherheit fast nur noch über andere Personen bezogen werden. Dadurch entsteht oft Druck im Beziehungssystem, weil die Verantwortung für das eigene innere Gleichgewicht zunehmend an andere abgegeben wird.
Aus ASBG-Sicht steht Abhängigkeit deshalb nicht im Gegensatz zu Beziehung, sondern zu einer gesunden Balance zwischen Selbstregulation und Ko-Regulation.
Ambivalenz beschreibt das gleichzeitige Vorhandensein unterschiedlicher, oft gegensätzlicher Wünsche, Bedürfnisse, Bewertungen oder Handlungsimpulse. Menschen möchten beispielsweise Nähe und Distanz, Sicherheit und Autonomie, oder Stabilität und Veränderung zugleich.
Aus Sicht der ASBG sind Ambivalenzen keine Störungen, die beseitigt werden müssen, sondern ein natürlicher Bestandteil menschlichen Lebens. Viele Konflikte entstehen nicht dadurch, dass Ambivalenzen existieren, sondern dadurch, dass Menschen versuchen, eine Seite dauerhaft zu bevorzugen und die andere zu verdrängen.
Salutogene Beziehungsgestaltung bedeutet daher nicht, Ambivalenzen aufzulösen, sondern sie wahrzunehmen, auszuhalten und immer wieder neu auszubalancieren. Die Fähigkeit, mit inneren und äußeren Widersprüchen konstruktiv umzugehen, ist eine wesentliche Voraussetzung für gesunde Beziehungen zu sich selbst, zu anderen Menschen und zu größeren sozialen Systemen.
Ein Aushandlungsprozess entsteht immer dann, wenn unterschiedliche Bedürfnisse, Interessen, Bewertungen oder Ziele aufeinandertreffen und miteinander in Einklang gebracht werden müssen.
Viele Menschen verbinden Beziehungen mit Harmonie und Übereinstimmung. Aus ASBG-Sicht bestehen Beziehungen jedoch zu einem großen Teil aus fortlaufenden Aushandlungsprozessen. Nähe und Distanz, Autonomie und Bindung, eigene und fremde Bedürfnisse müssen immer wieder neu abgestimmt werden.
Diese Prozesse verlaufen häufig unausgesprochen. Sie zeigen sich beispielsweise darin, wie Zeit miteinander verbracht wird, wer Entscheidungen trifft, welche Regeln gelten oder wessen Bedürfnisse gerade mehr Raum erhalten.
Gesunde Beziehungen zeichnen sich nicht dadurch aus, dass keine Unterschiede bestehen, sondern dadurch, dass Unterschiede wahrgenommen, besprochen und immer wieder neu ausgehandelt werden können.
Autonomie beschreibt aus Sicht der ASBG die Fähigkeit, das eigene Erleben, Denken und Handeln zunehmend selbst zu gestalten und Verantwortung für die eigene Regulation zu übernehmen. Autonomie bedeutet dabei nicht Unabhängigkeit von anderen Menschen, sondern die Fähigkeit, auch in Beziehungen mit den eigenen Bedürfnissen, Bewertungen und inneren Spannungen in Kontakt zu bleiben.
Im alltäglichen Sprachgebrauch wird Autonomie häufig mit Selbstständigkeit, Freiheit oder dem Verzicht auf Abhängigkeiten gleichgesetzt. Die ASBG versteht Autonomie dagegen als einen Beziehungsvorgang. Autonome Menschen benötigen andere Menschen ebenso wie alle anderen, sind jedoch weniger darauf angewiesen, dass ihr inneres Gleichgewicht ausschließlich durch das Außen hergestellt wird.
Autonomie entsteht deshalb nicht gegen Bindung, sondern in einer gesunden Balance von Bindung und Selbstregulation. Wird Autonomie einseitig gelebt, kann sie in Isolation, Rückzug oder emotionale Distanz umschlagen. Wird sie dauerhaft unterdrückt, steigt das Risiko von Anpassung, Abhängigkeit und dem Verlust eigener Bedürfnisse.
Explizite Bewertungen sind Bewertungen, die offen ausgesprochen oder eindeutig kommuniziert werden. Sie enthalten eine direkte Einschätzung von Personen, Verhalten, Situationen oder Ergebnissen.
Beispiele dafür sind Aussagen wie: „Das war gut gemacht.“, „Du bist unzuverlässig.“ oder „Diese Entscheidung war falsch.“ Im Gegensatz zu impliziten Bewertungen werden sie nicht zwischen den Zeilen vermittelt, sondern klar benannt.
Aus ASBG-Sicht sind explizite Bewertungen weder grundsätzlich hilfreich noch problematisch. Entscheidend ist vielmehr, welche Bedeutung ihnen gegeben wird und wie sie im Stimmungs- und Bewertungsinstrument verarbeitet werden. Dieselbe Bewertung kann von unterschiedlichen Menschen völlig verschieden erlebt werden: als Unterstützung, Orientierung, Kritik oder Abwertung.
Explizite Bewertungen prägen deshalb Beziehungen nicht allein durch ihren Inhalt, sondern auch durch den Kontext, die Beziehung der Beteiligten und die individuellen Erfahrungen der Empfänger.
Implizite Bewertungen sind Bewertungen, die nicht offen ausgesprochen werden, aber dennoch wirksam sind. Sie zeigen sich häufig in Tonfall, Mimik, Gestik, Blicken, Erwartungen oder der Art, wie Menschen miteinander kommunizieren.
Oft werden sie nicht bewusst wahrgenommen und können trotzdem starke Reaktionen auslösen. Ein Seufzen, ein bestimmter Blick oder eine kurze Bemerkung können genügen, damit sich jemand kritisiert, abgelehnt oder entwertet fühlt.
Aus ASBG-Sicht spielen implizite Bewertungen eine zentrale Rolle in Beziehungen. Sie beeinflussen das Stimmungs- und Bewertungsinstrument häufig stärker als offen ausgesprochene Aussagen, weil sie mehr Interpretationsspielraum lassen und dadurch leichter mit eigenen Erfahrungen, Ängsten oder Erwartungen aufgeladen werden.
Beziehungen entstehen überall dort, wo Menschen miteinander in Kontakt treten und sich gegenseitig beeinflussen. Sie bestehen nicht nur aus dem, was gesagt oder getan wird, sondern auch aus Erwartungen, Bewertungen, Bedürfnissen, Erfahrungen und den Bedeutungen, die Menschen ihrem Miteinander geben.
Aus ASBG-Perspektive sind Beziehungen keine statischen Zustände, sondern lebendige Prozesse. Sie verändern sich fortlaufend durch Kommunikation, Wechselwirkungen und gemeinsame Erfahrungen. Jede Beziehung entwickelt dabei eigene Muster, Regeln und Dynamiken.
Beziehungen können verbinden, unterstützen und Entwicklung fördern. Gleichzeitig machen sie Unterschiede sichtbar und konfrontieren uns mit eigenen Bedürfnissen, Bewertungen und ungelösten inneren Themen. Gerade deshalb sind sie einer der wichtigsten Orte für persönliches Wachstum.
Beziehungsdynamik beschreibt die Muster und Bewegungen, die zwischen Menschen im Laufe einer Beziehung entstehen. Sie zeigt sich darin, wie Menschen aufeinander reagieren, welche Rollen sie einnehmen und wie sich Verhalten gegenseitig beeinflusst.
Oft erleben wir nur das sichtbare Ergebnis einer Dynamik: Streit, Rückzug, Nähe, Distanz, Enttäuschung oder Verbundenheit. Dahinter stehen jedoch meist wiederkehrende Wechselwirkungen. Zieht sich beispielsweise eine Person zurück, sucht die andere möglicherweise mehr Nähe. Je mehr Nähe eingefordert wird, desto stärker wird der Rückzug. So entsteht eine Dynamik, die sich mit der Zeit verfestigen kann.
Aus ASBG-Sicht entstehen viele Schwierigkeiten nicht durch einzelne Personen, sondern durch solche wiederkehrenden Muster zwischen Menschen. Deshalb richtet sich der Blick weniger auf die Frage „Wer ist schuld?“ und stärker auf die Frage: „Welche Dynamik entsteht zwischen uns?“
Bindung ist das menschliche Bedürfnis nach emotionaler Nähe, Zugehörigkeit und verlässlichen Beziehungen. Sie gehört zu den zentralen Grundbedürfnissen und beeinflusst, wie sicher, verbunden und getragen wir uns im Kontakt mit anderen Menschen erleben.
Oft wird Bindung mit Harmonie, ständiger Nähe oder dem Vermeiden von Konflikten verwechselt. Aus ASBG-Perspektive zeigt sich gesunde Bindung jedoch nicht dadurch, dass es keine Spannungen gibt, sondern dadurch, dass Beziehungen auch bei Unterschiedlichkeit, Konflikten oder Distanz grundsätzlich erhalten bleiben können.
Wie Menschen Bindung erleben und gestalten, wird wesentlich durch frühe Beziehungserfahrungen geprägt. Besonders in den ersten Lebensjahren entstehen innere Vorstellungen darüber, ob andere Menschen verlässlich sind, ob Nähe Sicherheit oder Gefahr bedeutet und wie Zugehörigkeit hergestellt werden kann.
Gerät das Bindungsbedürfnis in einen Mangelzustand, richtet sich das Stimmungs- und Bewertungsinstrument verstärkt auf Signale von Ablehnung, Ausschluss, Desinteresse oder Verlust aus. Dadurch können Bewertungen, Missverständnisse und Konflikte leichter entstehen.
Von Doppelbotschaften spricht man, wenn eine Person gleichzeitig widersprüchliche Signale sendet. Die gesprochene Botschaft und die nonverbale Kommunikation, der Tonfall oder das tatsächliche Verhalten passen dann nicht zueinander.
Beispiele wären Aussagen wie: „Mach, was du möchtest.“, während gleichzeitig deutliche Enttäuschung oder Ärger erkennbar sind. Oder: „Alles in Ordnung.“, obwohl Rückzug, Schweigen oder Distanz etwas anderes vermitteln.
Für das Gegenüber entsteht dadurch häufig Verunsicherung. Es wird unklar, auf welche Botschaft reagiert werden soll. Das kann Spannungen erzeugen und zu Missverständnissen führen.
Aus ASBG-Sicht sind Doppelbotschaften oft Ausdruck innerer Ambivalenzen. Unterschiedliche Bedürfnisse, Bewertungen oder innere Anteile senden gleichzeitig Signale, die nicht vollständig miteinander abgestimmt sind. Deshalb sind Doppelbotschaften meist weniger Ausdruck von Böswilligkeit als von ungelösten inneren Spannungen.
Exekutive Metakompetenzen sind übergeordnete Fähigkeiten, mit denen Menschen ihr Denken, Fühlen und Handeln bewusst steuern können. Sie helfen dabei, Impulse zu regulieren, flexibel auf Veränderungen zu reagieren, Probleme zu lösen, Aufmerksamkeit zu lenken und langfristige Ziele zu verfolgen.
Aus ASBG-Sicht bilden sie eine wichtige Grundlage für Selbstführung, Handlungsspielraum und die Fähigkeit, mit Ambivalenzen konstruktiv umzugehen. Sie ermöglichen es, nicht ausschließlich auf automatische Impulse, Bewertungen oder Gewohnheiten zu reagieren, sondern bewusste Entscheidungen zu treffen.
Die exekutiven Metakompetenzen haben ihren neurobiologischen Ursprung überwiegend im präfrontalen Kortex. Ihre Ausprägung unterscheidet sich von Mensch zu Mensch und beeinflusst unter anderem den Umgang mit Stress, Konflikten, Beziehungen und komplexen Entscheidungssituationen.
Wer mehr über die eigene Ausprägung dieser Kompetenzen erfahren möchte, kann auf deecio.com den FFT durchführen. Das Verfahren macht ausgewählte exekutive Metakompetenzen sichtbar und bietet einen Einblick in individuelle Stärken, Entwicklungspotenziale und typische Verhaltensmuster.
Von Externalisierung sprechen wir, wenn innere Vorgänge, Probleme, Gefühle oder Konflikte nach außen verlagert und dort betrachtet werden. Dadurch entsteht Abstand zum eigenen Erleben, was neue Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten eröffnen kann.
In der ASBG wird Externalisierung genutzt, um Menschen dabei zu unterstützen, sich nicht vollständig mit einem Problem zu identifizieren. Statt zu sagen: „Ich bin ängstlich“, könnte die Perspektive lauten: „Angst ist gerade ein Teil meines Erlebens.“ Das Problem wird dadurch nicht geleugnet, aber es wird von der eigenen Person getrennt betrachtet.
Externalisierung kann helfen, Bewertungen zu relativieren, innere Dynamiken besser zu verstehen und mehr Beweglichkeit im Umgang mit belastenden Themen zu entwickeln.
Eine Gegenbewegung oder Ausgleichsreaktion beschreibt die Tendenz lebendiger Systeme, einseitige Entwicklungen auszugleichen. Wird ein Pol eines Spannungsfeldes dauerhaft bevorzugt, entstehen häufig Reaktionen, die in die entgegengesetzte Richtung wirken.
So kann auf starke Kontrolle der Wunsch nach Freiheit folgen. Auf dauerhafte Anpassung kann Widerstand entstehen. Auf lange Phasen von Distanz kann ein verstärktes Bedürfnis nach Nähe reagieren. Die Gegenbewegung ist dabei meist kein Zufall, sondern ein Versuch des Systems, verlorene Balance wiederherzustellen.
Aus ASBG-Sicht sind viele Konflikte, Symptome oder überraschende Verhaltensänderungen nicht nur als Problem zu verstehen, sondern manchmal auch als Ausgleichsversuche eines Systems, das sich wieder in Richtung Beweglichkeit entwickeln möchte.
Handlungsspielraum bezeichnet die Anzahl der Möglichkeiten, die einem Menschen in einer Situation tatsächlich zur Verfügung stehen oder von ihm wahrgenommen werden.
Unter Stress, Angst, starken Bewertungen oder ungelösten inneren Konflikten verengt sich dieser Spielraum häufig. Dann erscheinen nur noch wenige Reaktionen möglich: angreifen, zurückziehen, rechtfertigen oder anpassen.
Aus ASBG-Sicht ist Gesundheit eng mit Handlungsspielraum verbunden. Je mehr unterschiedliche Perspektiven, Bewertungen und Verhaltensmöglichkeiten einem Menschen zugänglich sind, desto flexibler kann er auf die Anforderungen des Lebens reagieren.
Heilung bedeutet daher oft nicht, die „richtige“ Lösung zu finden, sondern den eigenen Handlungsspielraum wieder zu erweitern.
Hausbesetzer ist eine Metapher (urspünglich von Peter Sloterdijk) für innere Stimmen, Bewertungen, Regeln und Überzeugungen, die sich im Laufe des Lebens in unserem Inneren „eingerichtet“ haben. Sie beeinflussen, wie wir über uns selbst, andere Menschen und die Welt denken.
Viele dieser Hausbesetzer stammen aus frühen Beziehungserfahrungen, aus Erziehung, Schule, Kultur oder anderen prägenden Lebenssituationen. Sie melden sich oft automatisch zu Wort: als innerer Kritiker, Antreiber, Perfektionist, Richter oder Mahner.
Hausbesetzer sind nicht grundsätzlich negativ. Viele von ihnen haben ursprünglich geholfen, Orientierung zu finden, Zugehörigkeit zu sichern oder Schwierigkeiten zu bewältigen. Problematisch wird es erst dann, wenn einzelne Stimmen das gesamte innere Geschehen dominieren und kaum noch andere Perspektiven zulassen.
Heilung bedeutet aus ASBG-Sicht deshalb nicht, Hausbesetzer zu vertreiben, sondern ihre Funktion zu verstehen und ihnen ihren angemessenen Platz im inneren Haus zu geben.
Integration beschreibt den Prozess, unterschiedliche Bedürfnisse, Gefühle, Bewertungen, innere Anteile oder Perspektiven als zugehörig anzuerkennen und miteinander in Beziehung zu bringen, anstatt sie gegeneinander kämpfen zu lassen.
Viele Menschen versuchen ungeliebte Anteile von sich zu bekämpfen, zu unterdrücken oder loszuwerden. Aus ASBG-Sicht entsteht Entwicklung jedoch meist nicht durch Ausschluss, sondern durch Integration. Der Kritiker, der Antreiber, der Rückzügler oder der Wunsch nach Nähe verfolgen häufig sinnvolle Absichten, auch wenn ihre Strategien manchmal problematisch sein können.
Integration bedeutet deshalb nicht, dass alle inneren Stimmen gleich viel Einfluss bekommen. Sie bedeutet vielmehr, ihre Funktion zu verstehen, sie zu würdigen und ihnen einen angemessenen Platz im eigenen System zu geben.
Je besser Integration gelingt, desto weniger Energie muss für innere Konflikte, Abwehr oder Unterdrückung aufgewendet werden. Dadurch entstehen mehr Beweglichkeit, Handlungsspielraum und innere Kohärenz.
Interaktion bezeichnet jede Form der wechselseitigen Einflussnahme zwischen Menschen, Gruppen oder Systemen. Sie entsteht überall dort, wo Verhalten, Kommunikation, Erwartungen oder Bewertungen aufeinandertreffen und Reaktionen hervorrufen.
Dabei findet Interaktion nicht nur über Worte statt. Auch Blicke, Gestik, Schweigen, Rückzug oder körperliche Nähe beeinflussen, wie Menschen miteinander in Beziehung treten und aufeinander reagieren.
Aus ASBG-Sicht entstehen Beziehungen nicht durch einzelne Personen, sondern durch fortlaufende Interaktionen. Erst durch diese Wechselwirkungen entwickeln sich Beziehungsdynamiken, Muster und gemeinsame Wirklichkeiten.
Interaktionale Muster sind wiederkehrende Abläufe im Kontakt zwischen Menschen. Sie entstehen dadurch, dass Menschen aufeinander reagieren und sich ihre Verhaltensweisen gegenseitig beeinflussen.
Oft entwickeln sich diese Muster unbewusst. Zieht sich beispielsweise eine Person zurück, sucht die andere verstärkt Nähe. Je mehr Nähe eingefordert wird, desto stärker wird der Rückzug. Mit der Zeit kann daraus ein stabiles Muster entstehen, das von beiden Seiten immer wieder reproduziert wird.
Aus ASBG-Sicht liegen viele Schwierigkeiten in Beziehungen nicht in den Eigenschaften einzelner Menschen, sondern in den interaktionalen Mustern, die zwischen ihnen entstanden sind. Wer diese Muster erkennt, gewinnt die Möglichkeit, aus gewohnten Schleifen auszusteigen und neue Formen des Miteinanders zu entwickeln.
Von Internalisierung sprechen wir, wenn äußere Erfahrungen, Bewertungen, Regeln oder Erwartungen in das eigene Denken, Fühlen und Handeln übernommen werden. Was ursprünglich von außen kam, wird mit der Zeit zu einem Teil der eigenen inneren Wirklichkeit.
So können beispielsweise Aussagen von Eltern, Lehrern oder anderen wichtigen Bezugspersonen zu inneren Überzeugungen werden: „Ich muss stark sein.“, „Ich darf keine Fehler machen.“ oder „Ich bin nicht gut genug.“ Diese Bewertungen wirken oft weiter, auch wenn die ursprüngliche Situation längst vergangen ist.
Aus ASBG-Sicht entstehen viele innere Stimmen, Hausbesetzer und Selbstbewertungen durch solche Internalisierungsprozesse. Sie helfen zunächst bei Orientierung und Anpassung, können jedoch später Handlungsspielräume einschränken, wenn sie nicht mehr hinterfragt werden.
Interpunktion beschreibt, wie Menschen Ereignisse, Ursachen und Wirkungen miteinander verknüpfen. Sie bestimmt, wo wir den Anfang eines Problems sehen und wem wir Verantwortung zuschreiben.
In Beziehungen entstehen häufig Konflikte, weil unterschiedliche Menschen dieselbe Situation unterschiedlich interpunktieren. Während die eine Person sagt: „Ich ziehe mich zurück, weil du Druck machst“, sagt die andere: „Ich mache Druck, weil du dich zurückziehst.“
Aus ASBG-Sicht gibt es bei vielen Beziehungsdynamiken keinen objektiven Anfangspunkt. Menschen bewegen sich in Wechselwirkungen, in denen Ursache und Wirkung fortlaufend ineinandergreifen.
Eine Intervention ist ein gezielter Impuls, der dazu dient, bestehende Denk-, Gefühls-, Kommunikations- oder Verhaltensmuster zu beeinflussen. Interventionen können durch andere Menschen erfolgen, aber auch durch eigene Entscheidungen, neue Erfahrungen oder bewusste Reflexion ausgelöst werden.
Im Alltag werden Interventionen häufig mit Methoden, Übungen oder therapeutischen Techniken verbunden. Aus ASBG-Sicht ist eine Intervention jedoch vor allem ein Versuch, Beweglichkeit in ein festgefahrenes System zu bringen. Sie soll helfen, neue Perspektiven sichtbar zu machen, Bewertungen zu hinterfragen oder Handlungsspielräume zu erweitern.
Ob eine Intervention hilfreich ist, hängt dabei weniger von der Methode selbst ab als davon, ob sie zum jeweiligen Menschen, seinem Zustand und seinem Beziehungssystem passt.
Intrapsychisch bezeichnet Vorgänge, Konflikte, Bewertungen oder Prozesse, die innerhalb eines Menschen stattfinden. Gemeint sind damit innere Dialoge, Gedanken, Gefühle, Bedürfnisse, Ambivalenzen und die Beziehungen zwischen unterschiedlichen inneren Anteilen.
Aus ASBG-Sicht entstehen viele Herausforderungen nicht nur zwischen Menschen, sondern auch innerhalb des eigenen Systems. So kann beispielsweise ein Teil nach Nähe streben, während ein anderer mehr Autonomie fordert. Oder ein innerer Kritiker gerät mit dem Wunsch nach Selbstakzeptanz in Konflikt.
Intrapsychische Prozesse beeinflussen maßgeblich, wie wir andere Menschen wahrnehmen, wie wir Beziehungen gestalten und welche Entscheidungen wir treffen. Deshalb betrachtet die ASBG innere und äußere Beziehungsdynamiken stets als miteinander verbunden.
Kohärenz beschreibt einen Zustand innerer Stimmigkeit. Menschen erleben Kohärenz dann, wenn Gedanken, Gefühle, Bedürfnisse, Bewertungen und Handlungen ausreichend gut zusammenpassen und das Leben als verständlich, handhabbar und sinnvoll erlebt wird.
Aus ASBG-Sicht bedeutet Kohärenz nicht, dass keine Konflikte, Spannungen oder Ambivalenzen mehr vorhanden sind. Vielmehr beschreibt sie die Fähigkeit, auch mit Gegensätzen, Unsicherheiten und Herausforderungen so umzugehen, dass das eigene System beweglich und handlungsfähig bleibt.
Kohärenz entsteht häufig dort, wo Menschen ihre Bedürfnisse wahrnehmen, innere Anteile würdigen, ihre Bewertungen reflektieren und in einen konstruktiven Aushandlungsprozess mit sich selbst und anderen treten.
Je stärker Kohärenz erlebt wird, desto weniger Energie muss für innere Kämpfe, Abwehr oder dauerhafte Selbstregulation aufgewendet werden.
Der Kohärenzbereich beschreibt aus Sicht der ASBG jenen Bereich zwischen den Polen einer Ambivalenz, in dem Menschen flexibel, situationsangemessen und stimmig handeln können. Er steht für einen Zustand, in dem gegensätzliche Bedürfnisse, Perspektiven oder Handlungsimpulse weder bekämpft noch einseitig bevorzugt werden.
Menschen bewegen sich ständig zwischen Ambivalenzen wie Nähe und Distanz, Autonomie und Bindung oder Kontrolle und Kontrollverlust. Gerät eine Person dauerhaft auf eine Polseite, nimmt häufig die innere und äußere Beweglichkeit ab. Im Kohärenzbereich hingegen bleiben beide Pole grundsätzlich zugänglich.
Der Kohärenzbereich ist deshalb kein fester Punkt und keine ideale Mitte. Er verändert sich je nach Situation, Kontext und beteiligten Menschen. Entscheidend ist nicht die exakte Position, sondern die Fähigkeit, zwischen den Polen wechseln zu können, ohne in starre Muster zu geraten.
Aus ASBG-Sicht entsteht Gesundheit häufig dort, wo Menschen ihren Kohärenzbereich erweitern und dadurch mehr Handlungsspielraum, Flexibilität und innere Stimmigkeit entwickeln.
Kompensation beschreibt den Versuch eines Menschen oder Systems, einen erlebten Mangel, eine Unsicherheit oder eine wahrgenommene Schwäche durch andere Verhaltensweisen auszugleichen.
So kann beispielsweise ein geringes Gefühl von Sicherheit zu einem starken Bedürfnis nach Kontrolle führen. Ein fragiler Selbstwert kann durch besondere Leistung, Status oder Anerkennung stabilisiert werden. Die Kompensation ist dabei häufig nicht bewusst geplant, sondern entwickelt sich als Lösungsversuch des Systems.
Aus ASBG-Sicht ist Kompensation zunächst weder gut noch schlecht. Sie kann helfen, Belastungen zu bewältigen und Stabilität herzustellen. Problematisch wird sie erst dann, wenn der eigentliche Mangel dauerhaft bestehen bleibt und die Kompensationsstrategie immer mehr Energie benötigt oder neue Probleme erzeugt.
Kompensation ist deshalb oft ein Hinweis darauf, dass ein wichtiges Bedürfnis oder Spannungsfeld im Hintergrund Aufmerksamkeit benötigt.
Konformität beschreibt die Tendenz, das eigene Denken, Fühlen oder Handeln an die Erwartungen, Normen oder Überzeugungen einer Gruppe anzupassen. Sie hilft Menschen, Zugehörigkeit herzustellen, Konflikte zu vermeiden und Teil einer Gemeinschaft zu bleiben.
Konformität ist dabei nicht grundsätzlich problematisch. Jede Gemeinschaft benötigt ein gewisses Maß an gemeinsamen Regeln, Werten und Verhaltensweisen. Ohne Konformität wären Zusammenarbeit, Kultur und gesellschaftliches Zusammenleben kaum möglich.
Aus ASBG-Sicht wird Konformität dann kritisch, wenn Zugehörigkeit wichtiger wird als die eigene Wahrnehmung, eigene Bedürfnisse oder abweichende Perspektiven. Menschen passen sich dann nicht mehr aus freier Entscheidung an, sondern aus Angst vor Ablehnung, Beschämung oder Ausschluss.
Die Herausforderung besteht darin, Zugehörigkeit und Individualität gleichzeitig zu bewahren. Gesundheit entsteht nicht durch vollständige Anpassung oder völlige Abgrenzung, sondern durch die Fähigkeit, zwischen beiden Polen beweglich zu bleiben.
Ko-Regulation beschreibt die Fähigkeit von Menschen, sich gegenseitig bei der Regulation von Gefühlen, Stress, Anspannung oder Unsicherheit zu unterstützen. Besonders in belastenden Situationen helfen Beziehungen dabei, wieder Sicherheit, Orientierung und innere Stabilität zu finden.
Die Fähigkeit zur Ko-Regulation entwickelt sich bereits in den ersten Lebensjahren. Ein beruhigender Blick, Verständnis, Trost, Nähe oder eine verlässliche Bezugsperson können dazu beitragen, dass ein überlastetes System wieder ins Gleichgewicht kommt.
Aus ASBG-Sicht ist Ko-Regulation ein natürlicher und notwendiger Bestandteil menschlichen Zusammenlebens. Problematisch wird es erst dann, wenn Menschen ihre Regulation ausschließlich an andere auslagern und die Fähigkeit zur Selbstregulation kaum entwickelt wird.
Gesunde Beziehungen zeichnen sich häufig dadurch aus, dass Selbstregulation und Ko-Regulation miteinander in Balance stehen.
Ein System bezeichnet eine Gruppe von Elementen, die miteinander in Beziehung stehen und sich gegenseitig beeinflussen. Menschen, Familien, Teams, Unternehmen oder ganze Gesellschaften können als Systeme verstanden werden. Veränderungen an einer Stelle wirken sich deshalb häufig auch auf andere Teile des Systems aus.
Von einem lebendigen System sprechen wir, wenn dieses System fortlaufend auf innere und äußere Veränderungen reagiert, sich anpasst und weiterentwickelt. Lebendige Systeme streben dabei nicht nach Perfektion oder dauerhaftem Gleichgewicht, sondern bewegen sich ständig zwischen unterschiedlichen Bedürfnissen, Interessen und Spannungsfeldern.
Aus ASBG-Perspektive können Menschen nicht isoliert betrachtet werden. Gedanken, Gefühle, Bewertungen und Verhaltensweisen entstehen immer im Zusammenhang mit den Beziehungssystemen, in denen wir leben. Was bei einer Person sichtbar wird, erzählt deshalb häufig auch etwas über das gesamte System, in das sie eingebunden ist.
Probleme werden daher nicht ausschließlich als Eigenschaft einzelner Menschen verstanden, sondern oft als Ausdruck einer Dynamik innerhalb eines lebendigen Systems.
Meinungspluralität bezeichnet das gleichzeitige Vorhandensein unterschiedlicher Sichtweisen, Überzeugungen, Werte und Bewertungen innerhalb einer Gemeinschaft oder Gesellschaft.
Aus ASBG-Sicht ist Meinungspluralität kein Problem, das gelöst werden muss, sondern eine natürliche Folge menschlicher Unterschiedlichkeit. Menschen verfügen über unterschiedliche Biografien, Bedürfnisse, Erfahrungen und Bewertungsmuster. Deshalb ist es erwartbar, dass sie dieselbe Situation unterschiedlich wahrnehmen und beurteilen.
Meinungspluralität wird dort wertvoll, wo Unterschiede nicht automatisch als Bedrohung verstanden werden. Sie ermöglicht Perspektivwechsel, Lernen und die Erweiterung des eigenen Handlungsspielraums. Geht sie verloren, steigt die Gefahr von Polarisierung, Ausgrenzung und starren Wahrheitsansprüchen.
Die Herausforderung besteht nicht darin, alle Meinungen gleich zu bewerten, sondern unterschiedliche Perspektiven wahrnehmen und aushalten zu können, ohne Zugehörigkeit oder Menschlichkeit infrage zu stellen.
Ein Persönlichkeitstrait bezeichnet ein relativ stabiles Merkmal oder eine wiederkehrende Tendenz im Erleben, Denken und Verhalten eines Menschen. Beispiele sind Gewissenhaftigkeit, Offenheit, Extraversion oder emotionale Stabilität.
In vielen psychologischen Modellen werden Traits als vergleichsweise dauerhafte Eigenschaften einer Person verstanden. Die ASBG betrachtet solche Merkmale ebenfalls als bedeutsam, legt den Fokus jedoch stärker auf die Frage, wie diese Eigenschaften in Beziehungen, Situationen und Kontexten wirksam werden.
Menschen sind deshalb aus unserer Sicht mehr als die Summe ihrer Traits. Ein Persönlichkeitstrait beschreibt eine Tendenz, aber keine feste Grenze dessen, was ein Mensch denken, fühlen oder tun kann. Verhalten entsteht immer auch im Zusammenspiel von Bedürfnissen, Bewertungen, Erfahrungen, verfügbaren Ressourcen und dem jeweiligen Beziehungssystem.
Pluralismus beschreibt die Anerkennung, dass unterschiedliche Menschen, Gruppen, Werte, Überzeugungen und Lebensentwürfe gleichzeitig existieren können und dürfen.
Aus ASBG-Sicht ist Pluralismus eine notwendige Folge menschlicher Unterschiedlichkeit. Menschen verfügen über unterschiedliche Erfahrungen, Bedürfnisse, Bewertungen und Perspektiven. Deshalb ist es weder realistisch noch wünschenswert, vollständige Einigkeit herzustellen.
Pluralismus bedeutet dabei nicht, dass alle Positionen gleichwertig sein müssen oder dass jede Meinung automatisch richtig ist. Er beschreibt vielmehr die Bereitschaft, Unterschiede auszuhalten, in Beziehung zu bleiben und Konflikte auszuhandeln, ohne Andersdenkende grundsätzlich abzuwerten oder auszuschließen.
Je größer die Fähigkeit eines Systems ist, Vielfalt zu integrieren, desto beweglicher und anpassungsfähiger bleibt es.
Eine Polseite bezeichnet innerhalb einer Ambivalenz einen der beiden gegensätzlichen Pole eines Spannungsfeldes. Jede Ambivalenz besteht mindestens aus zwei Polseiten, die sich scheinbar widersprechen, sich in lebendigen Systemen jedoch gegenseitig ergänzen und benötigen.
Beispiele sind Nähe und Distanz, Autonomie und Bindung oder Kontrolle und Kontrollverlust. Menschen haben häufig Vorlieben für bestimmte Polseiten entwickelt und bewegen sich deshalb leichter auf der einen als auf der anderen Seite einer Ambivalenz.
Aus ASBG-Sicht entsteht Entwicklung nicht dadurch, dass eine Polseite „gewinnt“ oder als richtiger betrachtet wird. Entscheidend ist vielmehr die Fähigkeit, beide Polseiten wahrzunehmen und je nach Situation flexibel zwischen ihnen wechseln zu können.
Der präfrontale Kortex ist ein Bereich des menschlichen Gehirns, der wesentlich an Planung, Selbststeuerung, Problemlösung, Impulskontrolle, Perspektivwechsel und bewussten Entscheidungen beteiligt ist. Er unterstützt Menschen dabei, unmittelbare Impulse zu regulieren und auch langfristige Ziele, Konsequenzen und Zusammenhänge zu berücksichtigen.
Aus ASBG-Sicht bildet der präfrontale Kortex eine wichtige neurobiologische Grundlage für viele jener Fähigkeiten, die wir als Selbstführung, Handlungsspielraum und bewusste Regulation beschreiben. Besonders unter Stress, Überforderung oder starker emotionaler Aktivierung stehen diese Fähigkeiten jedoch oft nur eingeschränkt zur Verfügung.
Die Leistungsfähigkeit des präfrontalen Kortex zeigt sich nicht allein in Intelligenz oder Wissen, sondern vor allem in sogenannten exekutiven Metakompetenzen, also Fähigkeiten wie Impulskontrolle, kognitive Flexibilität, Selbstregulation oder Problemlösefähigkeit.
Wer mehr über die eigene Ausprägung dieser Kompetenzen erfahren möchte, kann auf deecio.com den FFT durchführen. Das Verfahren macht ausgewählte exekutive Metakompetenzen sichtbar, die ihren Ursprung im präfrontalen Kortex haben.
Projektion beschreibt aus Sicht der ASBG den Vorgang, bei dem eigene Bewertungen, Bedürfnisse, Ängste, Wünsche oder innere Konflikte überwiegend im Außen wahrgenommen werden. Eigenschaften, die im eigenen Inneren schwer zugänglich, unerwünscht oder wenig integriert sind, erscheinen dann besonders deutlich bei anderen Menschen.
Dabei geht es nicht darum, dass die wahrgenommene Eigenschaft beim Gegenüber gar nicht existiert. Projektion bedeutet vielmehr, dass die eigene innere Beteiligung an der Wahrnehmung häufig übersehen wird.
Menschen mit starken Autonomiebedürfnissen erleben andere beispielsweise schnell als klammernd, während Menschen mit starkem Nähebedürfnis andere häufig als distanziert oder kalt wahrnehmen. Die Bewertung des Anderen verrät dabei oft ebenso viel über die eigene innere Organisation wie über das tatsächliche Verhalten des Gegenübers.
Aus ASBG-Sicht ist Projektion kein Fehler, sondern ein normaler Bestandteil menschlicher Wahrnehmung. Problematisch wird sie erst dann, wenn wir unsere Wahrnehmung für die vollständige Wahrheit halten und den eigenen Anteil daran nicht mehr reflektieren.
Resonanz beschreibt in der ASBG die wechselseitige Wirkung zwischen Menschen, inneren Anteilen oder ganzen Systemen. Etwas im Außen trifft dabei auf etwas im Inneren und löst eine Reaktion aus. Was uns besonders berührt, begeistert, verletzt, aufregt oder beschäftigt, sagt deshalb häufig nicht nur etwas über das Ereignis selbst aus, sondern auch über unsere eigene innere Gestimmtheit. Wir resonieren dann mit diesem Anteil auf den wir treffen - wie gleichschwingende Wellen, die aufeinandertreffen.
Resonanz entsteht nicht zufällig. Sie wird durch unsere Entwicklungsgeschichte, unsere Grundbedürfnisse, unsere Bewertungen und die aktuelle Stimmung unseres Stimmungs- und Bewertungsinstruments (SBI) beeinflusst.
Aus ASBG-Sicht ist Resonanz weder positiv noch negativ. Sie ist zunächst ein Hinweis darauf, dass etwas in uns angesprochen wurde. Gerade starke Resonanzen können deshalb wertvolle Hinweise auf ungelöste Themen, wichtige Bedürfnisse oder persönliche Entwicklungsmöglichkeiten liefern.
Während Resonanz häufig als Harmonie oder „gute Verbindung“ verstanden wird, umfasst sie in der ASBG ausdrücklich auch Konflikte, Irritationen, Widerstände und starke Ablehnung. Auch sie sind Formen von Resonanz.
Rigidität beschreibt eine mangelnde Beweglichkeit im Denken, Fühlen oder Handeln. Menschen oder Systeme reagieren dann wiederholt auf ähnliche Weise, selbst wenn andere Reaktionen hilfreicher oder angemessener wären.
Rigidität zeigt sich häufig in festen Überzeugungen, starren Bewertungen oder dem Gefühl, dass es nur einen richtigen Weg gibt. Neue Perspektiven werden schwer zugänglich, Gegensätze können kaum ausgehalten werden und Handlungsspielräume verengen sich zunehmend.
Aus ASBG-Sicht entsteht Rigidität oft dort, wo Unsicherheit, Angst oder ungelöste Spannungsfelder bestehen. Starre schafft kurzfristig Orientierung und Sicherheit, reduziert jedoch langfristig Anpassungsfähigkeit, Entwicklung und Lebendigkeit.
Gesundheit wird deshalb nicht als Perfektion oder Eindeutigkeit verstanden, sondern als die Fähigkeit, flexibel zwischen unterschiedlichen Positionen, Bedürfnissen und Perspektiven wechseln zu können.
Salutogen beschreibt eine Perspektive, die den Blick nicht primär auf Krankheit, Defizite oder Probleme richtet, sondern auf die Bedingungen, die Gesundheit, Entwicklung, Lebendigkeit und Wachstum fördern.
Während häufig gefragt wird: „Warum werden Menschen krank?“, lautet die salutogene Frage: „Was hält Menschen trotz Belastungen gesund?“
Aus Sicht der ASBG entsteht Gesundheit nicht durch die Abwesenheit von Konflikten, Spannungen oder Krisen. Entscheidend ist vielmehr, wie Menschen mit diesen Herausforderungen umgehen, wie beweglich sie zwischen Ambivalenzen bleiben und wie gut sie ihre Bedürfnisse, Bewertungen und Beziehungen regulieren können.
Ein salutogener Umgang bedeutet daher nicht, Probleme zu ignorieren oder alles positiv zu sehen. Er bedeutet, Ressourcen, Handlungsspielräume und Entwicklungsmöglichkeiten zu stärken, ohne Belastungen und Schwierigkeiten auszublenden.
Ein salutogener Umgang beschreibt eine Haltung, die nicht primär nach Schuldigen, Defiziten oder Fehlern sucht, sondern nach Möglichkeiten, Gesundheit, Entwicklung und Handlungsfähigkeit zu fördern.
Das bedeutet nicht, Probleme zu ignorieren oder Belastungen schönzureden. Vielmehr richtet sich die Aufmerksamkeit auf Ressourcen, Bedürfnisse, Zusammenhänge und Entwicklungsmöglichkeiten. Statt zu fragen: „Wer hat Schuld?“ lautet die Frage häufiger: „Was braucht das System, damit wieder mehr Beweglichkeit und Gesundheit entstehen können?“
Aus ASBG-Sicht zeigt sich ein salutogener Umgang besonders dort, wo Menschen bereit sind, Ambivalenzen auszuhalten, unterschiedliche Perspektiven zu würdigen und Verantwortung zu übernehmen, ohne sich selbst oder andere dauerhaft abzuwerten.
Schutz- und Kommunikationsmuster beschreiben typische Arten, wie Menschen auf Stress, Konflikte, Unsicherheit oder Bedrohung reagieren und dabei mit anderen kommunizieren. Sie dienen häufig dazu, Zugehörigkeit zu sichern, Spannung zu regulieren oder sich vor Verletzungen zu schützen.
Aus ASBG-Sicht sind diese Muster keine bewussten Entscheidungen, sondern meist erlernte Strategien, die sich über viele Jahre entwickelt haben. Manche Menschen beschwichtigen, andere greifen an, rationalisieren, ziehen sich zurück oder lenken von belastenden Themen ab.
Solche Muster sind zunächst sinnvolle Lösungsversuche eines Systems. Problematisch werden sie erst dann, wenn sie starr werden und den Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen oder zu anderen Menschen erschweren.
Wer seine Schutz- und Kommunikationsmuster erkennt, gewinnt die Möglichkeit, bewusster zu kommunizieren und neue Formen des Umgangs mit Konflikten und Beziehungen zu entwickeln.
Schutzstrategien sind Verhaltensweisen, Denk- oder Kommunikationsmuster, die Menschen nutzen, um sich vor unangenehmen Gefühlen, Bedrohungen, Zurückweisung, Unsicherheit oder inneren Spannungen zu schützen.
Häufig laufen diese Strategien unbewusst ab. Manche Menschen ziehen sich zurück, andere greifen an, rechtfertigen sich, passen sich übermäßig an oder versuchen, Situationen besonders stark zu kontrollieren.
Aus ASBG-Sicht sind Schutzstrategien zunächst keine Fehler, sondern sinnvolle Lösungsversuche eines Systems, das Belastungen regulieren möchte. Sie entstehen meist dort, wo wichtige Bedürfnisse bedroht erscheinen oder frühere Erfahrungen ähnliche Reaktionen notwendig gemacht haben.
Problematisch werden Schutzstrategien erst dann, wenn sie dauerhaft eingesetzt werden und dadurch Beziehungen, Entwicklung oder neue Erfahrungen erschweren. Was ursprünglich Schutz war, kann dann selbst zum Hindernis werden.
Das Selbstbild beschreibt die Vorstellungen, Bewertungen und Überzeugungen, die ein Mensch über sich selbst entwickelt hat. Es beeinflusst, wie wir uns wahrnehmen, was wir uns zutrauen und wie wir unser Verhalten interpretieren.
Ein Selbstbild entsteht nicht im luftleeren Raum. Es entwickelt sich durch Erfahrungen, Beziehungen, Rückmeldungen anderer Menschen und die Bewertungen, die wir im Laufe unseres Lebens über uns übernommen haben.
Aus ASBG-Sicht ist das Selbstbild keine objektive Beschreibung der eigenen Person, sondern eine subjektive Konstruktion. Es spiegelt wider, wie das Stimmungs- und Bewertungsinstrument die eigene Geschichte verarbeitet und eingeordnet hat.
Je starrer ein Selbstbild wird, desto schwieriger wird Veränderung. Entwicklung wird möglich, wenn wir erkennen, dass unser Selbstbild nicht die Wahrheit über uns ist, sondern eine von vielen möglichen Sichtweisen auf uns selbst.
Selbstregulation bezeichnet die Fähigkeit, mit eigenen Gefühlen, Bedürfnissen, Impulsen, Gedanken und Spannungen so umzugehen, dass Handlungsfähigkeit erhalten bleibt. Sie hilft dabei, innere Zustände wahrzunehmen, einzuordnen und angemessen darauf zu reagieren.
Dabei geht es nicht darum, Gefühle zu unterdrücken oder jederzeit die Kontrolle zu behalten. Aus ASBG-Sicht bedeutet Selbstregulation vielmehr, die eigenen inneren Prozesse wahrzunehmen und bewusst mit ihnen umzugehen, anstatt ausschließlich automatisch auf sie zu reagieren.
Menschen unterscheiden sich darin, wie gut sie sich selbst regulieren können. Diese Fähigkeit entwickelt sich durch Beziehungserfahrungen, Lernerfahrungen und wiederholte Übung über die gesamte Lebensspanne hinweg.
Je besser Selbstregulation gelingt, desto größer wird häufig der Handlungsspielraum in herausfordernden Situationen. Bedürfnisse, Bewertungen und Emotionen bestimmen das Verhalten dann nicht mehr vollständig, sondern werden zu Informationen, die in Entscheidungen einbezogen werden können.
Selbstwirksamkeit beschreibt die Überzeugung eines Menschen, durch das eigene Denken, Fühlen und Handeln Einfluss auf Situationen, Herausforderungen und das eigene Leben nehmen zu können.
Menschen mit hoher Selbstwirksamkeit erleben sich nicht als vollständig abhängig von äußeren Umständen. Sie gehen davon aus, dass ihr Verhalten einen Unterschied machen kann, auch wenn nicht alles kontrollierbar ist. Schwierigkeiten werden dadurch häufiger als Herausforderungen und weniger als ausweglose Probleme erlebt.
Aus ASBG-Sicht ist Selbstwirksamkeit eng mit Handlungsspielraum verbunden. Sie wächst vor allem durch Erfahrungen, in denen Menschen erleben, dass ihr Handeln Wirkung zeigt. Dauerhafte Schuldzuweisungen, starke Fremdbestimmung oder die Überzeugung, Opfer äußerer Umstände zu sein, können Selbstwirksamkeit dagegen einschränken.
Selbstwirksamkeit bedeutet dabei nicht, alles allein schaffen zu müssen. Sie umfasst auch die Fähigkeit, Unterstützung zu suchen, Beziehungen zu nutzen und Verantwortung für die eigene Regulation zu übernehmen.
siehe auch Ambivalenz
Überlebens- und Regulationsstrategien sind Verhaltensweisen, Denkweisen oder innere Muster, die Menschen entwickeln, um mit Belastungen, Unsicherheit, Konflikten oder unerfüllten Bedürfnissen umzugehen.
Viele dieser Strategien entstehen früh im Leben und waren ursprünglich sinnvoll. Sie halfen dabei, Zugehörigkeit zu sichern, Konflikte zu vermeiden, Aufmerksamkeit zu bekommen oder mit schwierigen Situationen umzugehen.
Problematisch werden sie erst dann, wenn alte Strategien automatisch weiter genutzt werden, obwohl sie in der aktuellen Situation nicht mehr hilfreich sind. Was früher Schutz geboten hat, kann später Beziehungen belasten, Handlungsspielräume einschränken oder unnötig Energie verbrauchen.
Aus ASBG-Sicht sind Überlebens- und Regulationsstrategien deshalb nicht „falsch“, sondern zunächst verständliche Lösungsversuche eines Systems, das versucht hat, mit seinen Möglichkeiten bestmöglich zurechtzukommen.
Die unwillkürliche Ebene beschreibt jene inneren Prozesse, die weitgehend automatisch und ohne bewusste Steuerung ablaufen. Dazu gehören Gefühle, Körperreaktionen, Bedürfnisse, Impulse, Gewohnheiten und viele Formen der Wahrnehmung und Bewertung.
In der ASBG wird diese Ebene häufig mit der Metapher des Elefanten beschrieben. Sie reagiert schnell, energieeffizient und auf Grundlage früherer Erfahrungen. Oft entscheidet sie bereits, was wichtig, bedrohlich oder attraktiv ist, bevor wir bewusst darüber nachdenken können.
Die unwillkürliche Ebene ist kein Gegner der Vernunft und auch kein Fehler des Systems. Sie übernimmt wichtige Aufgaben, schützt uns vor Gefahren und ermöglicht schnelle Orientierung. Schwierigkeiten entstehen meist erst dann, wenn ihre Signale nicht wahrgenommen werden oder wenn sie dauerhaft gegen die bewussten Absichten eines Menschen arbeiten muss.
Gesunde Selbstführung entsteht aus ASBG-Sicht nicht durch die Kontrolle der unwillkürlichen Ebene, sondern durch eine gute Zusammenarbeit zwischen bewussten und unbewussten Prozessen.
Wahl- und Entscheidungsfreiheit beschreibt die Fähigkeit eines Menschen, zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten wählen und bewusst Entscheidungen treffen zu können.
Im Alltag wird oft davon ausgegangen, dass Menschen jederzeit frei und rational entscheiden können. Aus ASBG-Sicht ist diese Vorstellung zu einfach. Jede Entscheidung wird von Bedürfnissen, Bewertungen, Emotionen, Gewohnheiten, verfügbaren Ressourcen und bisherigen Erfahrungen beeinflusst.
Deshalb ist Wahlfreiheit selten absolut. Unter Stress, Angst, Erschöpfung oder starken inneren Konflikten verengt sich der wahrgenommene Handlungsspielraum oft erheblich. Menschen handeln dann häufiger automatisch und greifen auf vertraute Muster zurück.
Wahl- und Entscheidungsfreiheit wächst dort, wo Handlungsspielräume größer werden, innere Spannungen reguliert werden können und unterschiedliche Perspektiven gleichzeitig berücksichtigt werden. Freiheit bedeutet daher nicht, völlig unabhängig von Einflüssen zu sein, sondern trotz dieser Einflüsse bewusstere Entscheidungen treffen zu können.
Von Wechselwirkung sprechen wir, wenn sich Menschen, Gruppen oder Systeme gegenseitig beeinflussen. Das Verhalten einer Person wirkt auf andere – und deren Reaktion wirkt wiederum zurück.
Aus ASBG-Sicht entstehen viele Probleme nicht durch einzelne Menschen, sondern durch solche fortlaufenden Wechselwirkungen. Kritik kann Rückzug auslösen, Rückzug kann Unsicherheit verstärken und Unsicherheit wiederum neue Kritik hervorrufen.
Deshalb betrachten wir Verhalten selten isoliert. Interessanter ist oft die Frage: Wie beeinflussen sich die Beteiligten gegenseitig und welche Dynamik entsteht daraus?
Die willkürliche Ebene beschreibt jene Prozesse, die bewusst gesteuert, reflektiert und beeinflusst werden können. Dazu gehören beispielsweise Planen, Abwägen, Entscheiden, Problemlösen oder das bewusste Regulieren von Verhalten.
In der ASBG wird diese Ebene häufig mit der Metapher des Reiters beschrieben. Der Reiter kann Ziele formulieren, Prioritäten setzen und bewusst Einfluss auf das eigene Handeln nehmen. Er verfügt jedoch nur über begrenzte Aufmerksamkeit und Energie.
Anders als häufig angenommen, steuert die willkürliche Ebene nicht jederzeit das gesamte Verhalten. Sie arbeitet vielmehr mit der unwillkürlichen Ebene zusammen und ist auf deren Informationen angewiesen. Je besser diese Zusammenarbeit gelingt, desto größer werden Handlungsspielraum, Selbstführung und Anpassungsfähigkeit.