
Künstliche Intelligenz verändert nicht nur Arbeitsprozesse, Lernformen und Kommunikation, sondern auch die Art, wie Menschen denken, bewerten und sich selbst erleben. Auf dieser Seite betrachten wir KI nicht technisch oder moralisch, sondern psychologisch und systemisch: als einen neuen Beziehungspartner, der unser Erleben von Kompetenz, Selbstwirksamkeit und Orientierung beeinflusst.
Die ASBG interessiert dabei nicht die Frage, ob KI genutzt werden sollte, sondern wie. Denn auch die Arbeit mit einer generativen künstlichen Intelligenz wie ChatGPT, Google Gemini, DeepSeek oder sonstige ist streng genommen ein Form von Beziehung.
Im Zentrum steht ein salutogener Umgang, der weder in Ablehnung noch in blinder Hingabe mündet, sondern die Ambivalenzen ernst nimmt, die KI in uns auslösen kann. Sie finden hier eine Einordnung, warum KI emotional wirksam ist, wo sie Selbstwirksamkeit stärkt oder untergräbt und worauf es ankommt, wenn KI nicht zum Ersatz, sondern zur Ergänzung menschlichen Denkens werden soll.
Hinweis: Einen Disclaimer unserer Nutzung von generativer KI der ASBG kannst du unter About finden.
…warum unser innerer Dialog uns antreibt oder erschöpft.
…wie Ambivalenzen im ICH entstehen und innerlich wirken.
…wie Ruhe, Klarheit und Selbstannahme wieder möglich werden.
Beziehung mit der KI
Aus psychologischer Sicht ist die Interaktion mit KI mehr als reine Informationsverarbeitung. Sie erzeugt Resonanz, Feedback und Bewertung. Sie wirkt damit aktiv auf unser Stimmungs- und Bewertungssystem. In diesem Sinne ist die Arbeit mit einer KI eine Form von Beziehung die wir eingehen. Wie jede Beziehung kann sie stabilisieren, irritieren, entlasten oder überfordern.
Ein salutogener Umgang bedeutet deshalb: keine rigide Ablehnung und kein naives Vertrauen. Weder vollständiges Vermeiden noch vollständiges Delegieren ist der beste Umgang mit ChatGPT & Co. Entscheidend ist, sich eine bewegliche Position dazwischen zu erarbeiten. Die ASBG versteht KI in diesem Sinne als sehr einmaligen Sparringspartner: ein Gegenüber, das Denkprozesse spiegeln kann, herausfordert und erweitert, ohne sie ersetzen zu müssen. Und besonders ohne selbst unter Bewertungsdruck zu stehen.
KI als Raum für Ambivalenz-Erweiterung
Ein zentraler gesundheitlicher Aspekt im Umgang mit KI liegt darin, dass sie es ermöglicht, innere Ambivalenzen und Zentralkonflikte auszutragen, ohne sie sofort in reale Beziehungen hineintragen zu müssen. Viele Spannungen, die Menschen sonst mit Partnern, Kollegen, Freunden oder Autoritäten austragen, entstehen aus inneren Gegensätzen, die nicht ausreichend differenziert wurden oder zu wenig Gehör bekommen haben. KI kann, wenn sie dafür genutzt wird, genau hier ansetzen.
Menschen neigen dazu, bevorzugte Seiten ihrer Ambivalenzen zu leben und die jeweils andere Seite abzuspalten oder anderen zuzuschreiben. Näheorientiert geprägte Personen erleben autonome Menschen als kalt oder bindungsscheu; stark autonomieorientierte Personen erleben Nähebedürftigkeit als einengend oder vereinnahmend. Innenfokussierte Menschen empfinden Außenorientierung als oberflächlich; außenfokussierte Menschen empfinden Innensensibilität als unpraktisch oder hemmend. Diese Gegensätze werden häufig nicht integriert, sondern externalisiert - in Beziehungen ausgelagert und dort bekämpft oder moralisch bewertet. Im Klartext heißt das: Der Mario ist kein "Arschloch", weil er ständig an sich denkt - an mich zu denken findet nur so wenig Gehör in mir selbst, dass es mich bei anderen stört.
KI eröffnet die Möglichkeit, diese Gegensätze im inneren Dialog zu bearbeiten. Sie kann genutzt werden, um gezielt Perspektiven einzunehmen, die der eigenen inneren Organisation widersprechen: Näheorientierte Menschen können sich mit einer radikal autonomen Sichtweise konfrontieren, freiheitsliebende Menschen mit einer konsequent bindungsorientierten Logik. Ebenso lassen sich Innen- und Außenfokus, Kontrolle und Hingabe, Stabilität und Veränderung gezielt gegeneinander stellen.
In diesem Sinne ermöglicht KI eine Ausgleichsregulation innerer Ambivalenzen durch die bewusste Konfrontation mit Gegensätzen. Sie gibt jenen inneren Stimmen Raum, die sonst unterdrückt, abgewertet oder anderen Menschen zugeschrieben werden. Das entlastet Beziehungen, erweitert den Denkraum und stärkt Ambivalenzfähigkeit als eine zentrale salutogene Ressource.
reflexion
Vielleicht erinnerst du dich an deine letzte Interaktion mit einer KI. Uns geht es gerade nicht um den Inhalt, sondern um dein Erleben dabei.
• "Beruhigt" dich eine KI-Antwort? Nutzt du KI um dich selbst zu regulieren?
• Fühlst du dich eher kompetenter oder eher kleiner?
• Wird dein Denken aktiv angeregt und herausgefordert, oder eher ruhiger und delegierter?
Die Grundambivalenzen
Die Grafik (unten) ist ein Versuch, Ambivalenzen im Umgang mit KI sichtbar zu machen. Sie basiert bewusst auf demselben Modell wie die, der Seite ICH und ist eng mit ihr verwandt, denn psychologisch betrachtet eröffnet KI kein neues System, sondern erweitert den bestehenden inneren Dialograum im hypno-systemischen Sinne.
Die Arbeit mit KI findet dort statt, wo sonst Denken, Bewerten, Abwägen und innerer Dialog ablaufen. KI bringt keine eigene Entwicklungsgeschichte, keine eigenen Bedürfnisse und keine eigenen Prägungen mit ein. Sie verstärkt, spiegelt und erweitert lediglich das, was im ICH bereits angelegt ist. In diesem Sinne ist KI ein externer Resonanzraum für intrapsychische Prozesse.
Auch hier gilt: Wenn alle inneren Perspektiven grundsätzlich Gehör finden, stehen mehr Informationen für Entscheidungen zur Verfügung. Der Denkraum wird größer. Einseitigkeiten können erkannt und relativiert werden. Wird KI jedoch einseitig genutzt, verstärkt sie genau jene inneren Schieflagen, die bereits vorhanden sind.
Wie auf der Seite ICH bewegen wir uns auch im Umgang mit KI entlang der bekannten Spannungsfelder:
• Kontrolle – Kontrollverlust
• Innen – Außen
• Lethargie – Aktionismus
Diese Pole gehören jeweils zusammen und zeigen sich im KI-Raum sehr konkret.
reflexion
Wenn KI dir widerspricht, was löst das in dir aus?
(Erleichterung, Widerstand, Verteidigung, Neugier,...)
Welche deiner Ambivalenzseiten verstärkst du mithilfe von KI?

Wie die Grafik zu verstehen ist
Die Grafik ist ein Versuch, die Ambivalenzen im Umgang mit KI sichtbar zu machen. Sie basiert bewusst auf demselben Modell wie auf der Seite ICH, da KI bestehende innere Spannungsfelder verstärkt, beschleunigt und externalisiert.
Während auf der Seite ICH der innere Dialog ausschließlich intrapsychisch stattfindet, erweitert KI diesen Dialog um ein externes Gegenüber. Die grundlegende Logik bleibt jedoch dieselbe.
Auch hier gilt: Je näher du dich an den Rand eines Pols bewegst, desto einseitiger wird die Nutzung. Je mittiger die Ausrichtung, desto größer der Denk- und Handlungsspielraum. Für ein generelles Verständnis dieses Modells empfehlen wir nochmal die Seite ICH anzuschauen.
Wie könnten diese Ambivalenzpole im externalisierten KI-Raum aussehen?
Kontrolle – Kontrollverlust
Ein Mensch nutzt KI sehr intensiv, lässt Texte schreiben, Entscheidungen vorbereiten, Gedanken sortieren, prüft die Ergebnisse jedoch kaum noch selbst. Eigene Unsicherheiten werden nicht mehr reflektiert, sondern an die KI delegiert.
Hier verschiebt sich das System stark in Richtung Kontrollabgabe: Denken wird ausgelagert, Selbstwirksamkeit sinkt. Die Gegenbewegung zeigt sich oft als Misstrauen, plötzliche Ablehnung der KI oder das Gefühl, „nichts mehr selbst zu können“.
Auf der anderen Seite steht eine starke Kontrollorientierung: Jeder KI-Vorschlag wird sofort abgewehrt, korrigiert oder misstrauisch hinterfragt. KI darf nichts beitragen, was das eigene Denken irritieren könnte.
Innen – Außen
Innenzentrierung zeigt sich im KI-Raum häufig als reine Validierungsnutzung. Die KI wird gefragt, um bestehende Überzeugungen zu bestätigen: „Warum habe ich recht?“ „Formuliere das so, dass es meine Sicht stärkt.“ „Bestätige mir, dass mein Gefühl richtig ist.“ Die Außenperspektive in Form von Irritation, Gegenpositionen und neuen Sichtweisen bleibt außen vor. Der Denkraum wird nicht erweitert, sondern stabilisiert.
Außenzentrierung hingegen zeigt sich dort, wo die eigene innere Position kaum noch Gewicht hat. Die KI wird zur Instanz, die entscheidet, „wie man es richtig macht“. Eigene Einschätzungen werden abgewertet, fremde Bewertungen übernommen.
Lethargie – Aktionismus
Einige Menschen geraten mit KI in einen starken Aktionismus: Ideen, Texte, Projekte werden in hoher Geschwindigkeit produziert. Es entsteht viel Output, aber wenig Integration. Inhalte werden nicht durchdrungen, nicht reflektiert, nicht verankert. Die Bewegung bleibt auf der Aktionsseite hängen und es wird nicht innegehalten und hinterfragt.
Andere wiederum nutzen KI als Tool um Dinge ins Detail zu hinterfragen. Statt in das Tun zu kommen, wird immer wieder „nachgefragt“. Hier entsteht der Stillstand als übergeordnetes "gutes" Ziel, um Dinge komplett zu verstehen - mit dem Preis des Stillstandes.
Gegen Validierung arbeiten
KI ist darauf trainiert, zu validieren. Sie bestätigt, ordnet ein, formuliert verständnisvoll und anschlussfähig. Das erzeugt Sicherheit: und genau darin liegt auch eine erhebliche Gefahr. Wer KI primär zur Bestätigung nutzt, verfestigt bestehende Überzeugungen, Muster und Präferenzen. Der Denkraum wird nicht erweitert, sondern stabilisiert.
Aus ASBG-Perspektive ist deshalb ein bewusster Perspektivwechsel entscheidend: Salutogener Umgang mit KI bedeutet, Validierung gezielt zu reduzieren und Konflikte bewusst zu erzeugen. So können wir die eigenen Positionen prüfen, einen Perspektivwechsel erzeugen und unseren gegensätzlichen Polen Gehör verschaffen.
KI sollte also nicht gefragt werden: „Warum habe ich recht?“, oder "Finde Argumente die meine Position stärken" sondern: „Welche Gegenargumente übersehe ich?“, „Welche Funktion und welchen Sinn hat die andere Seite?“, „Was würde jemand sagen, der genau auf der Gegenposition steht?“
So wird KI vom Bestätigungsinstrument zum Ambivalenz-Verstärker. Nicht im Sinne von Polarisierung, sondern im Sinne von Differenzierung und Verständnis. Wenn wir davon ausgehen, dass jede Perspektive und jede "Seite" nur eine unterschiedliche Entwicklungsgeschichte ist, die im innerpsychischen Erleben IMMER Sinn ergibt, dann besteht hier die Möglichkeit endlich Perspektiven auszuleuchten, die wir noch nie verstanden haben. Statt tendentiell alles andersdenkende abzuwerten haben wir die Möglichkeit Verständnis für andere Perspektiven zu entwickeln und uns einer meinungspluralen Demokratie zu nähern, die nicht in Polarisierung und Spaltung, sondern Meinungsinklusion mündet.
reflexion
• Wenn du der KI eine Frage stellst, suchst du Antwort oder Bestätigung?
• Wie oft formulierst du deine Fragen so, dass sie deine Sicht stützen?
• Wann hast du zuletzt bewusst um Gegenargumente gebeten?
• Wie oft nutzt du KI um deine Sichtweise herauszufordern?
• Wenn dir jemand immer recht geben würde, könntest du dich dann entwickeln?
Der sokratische Dialog: Bewusste Irritation
Eine besonders wirksame Form der salutogenen KI-Nutzung könnte der sokratische Dialog sein. Dabei geht es nicht um Antworten, sondern um gezielte Irritation und Selbstprüfung.
Der sokratische Dialog geht auf den griechischen Philosophen Sokrates zurück. Seine Methode bestand nicht darin, Wissen zu vermitteln oder Antworten zu geben, sondern darin, Menschen durch gezielte Fragen in einen Denkprozess zu führen, der ihre eigenen Überzeugungen prüft. Sokrates verstand sich selbst nicht als Lehrer, sondern als jemand, der Denkbewegung auslöst. Er stellte Fragen, hakte nach, ließ Widersprüche sichtbar werden und führte sein Gegenüber immer wieder an die Grenzen des eigenen Wissens.
Zentral dabei war eine Haltung: Sokrates beanspruchte keine Wahrheit, sondern ging davon aus, dass Erkenntnis dort entsteht, wo Menschen merken, dass ihre bisherigen Annahmen unvollständig, widersprüchlich oder vorschnell sind. Der Satz „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ ist damit kein Ausdruck von Unwissen, sondern von Offenheit gegenüber Ambivalenz. Erkenntnis entsteht nicht durch Bestätigung, sondern durch Irritation.
Sokrates arbeitete dabei immer gleich: Er ließ sein Gegenüber zunächst die eigene Position ausführlich darstellen, stellte dann präzise Rückfragen, überprüfte implizite Annahmen und führte schließlich zu einem Punkt, an dem die ursprüngliche Gewissheit ins Wanken geriet und Perspektiven zu erweitern.
Genau dieses Prinzip lässt sich heute auf die Arbeit mit KI übertragen. KI eignet sich - anders als viele menschliche Gesprächspartner - besonders gut für diese Rolle, weil sie nicht emotional reagiert, nicht gekränkt ist und nicht um Beziehung kämpft. Sie kann konsequent als kritischer Spiegel genutzt werden.
Ein sokratischer Dialog mit KI bedeutet daher gezielt Widerspruch zu erzeugen um seinen Denkraum und seine Überzeugungen zu erweitern. Die KI wird eingeladen, die eigene Position infrage zu stellen, Gegenargumente zu formulieren und alternative Perspektiven einzunehmen. Wichtig ist dabei die innere Haltung.
Typische sokratische Arbeitsweisen mit KI sind zum Beispiel:
• Die eigene Überzeugung formulieren und die KI bitten, sie systematisch zu kritisieren und blinde Flecken aufzudecken.
• Nach verborgenen Annahmen fragen, auf denen die eigene Sicht beruht.
• Die Perspektive des Gegenpols einnehmen lassen.
• Die Funktion eines problematischen Verhaltens beschreiben lassen, statt es abzuwerten.
• Prüfen lassen, welche Ambivalenzen ausgeblendet werden.
So könnte kein Validierungsdialog, sondern ein produktiver Konflikt im Denken entstehen. Und wer weiß, am Ende lernen wir noch etwas über uns.
Selbstdenken, Delegation und Ambivalenz
Aktuelle Erkenntnisse zeigen, dass rein KI-gestütztes Arbeiten und Lernen Inhalte oft weniger tief verankert als eigenständiges Denken. Gleichzeitig entsteht dort die größte Kompetenz, wo Menschen beides miteinander kombinieren: Zuerst selbst denken und anschließend mit KI reflektieren und vertiefen.
KI kann entlasten. Aber wer Denken vollständig auslagert, verliert nicht nur Wissen, sondern die Fähigkeit, mit Widersprüchen und Unsicherheit umzugehen.
Wer KI von sich aus vollständig ausschließt und sich weigert damit zu arbeiten verliert einen Ausleuchtungsraum zum Horizonterweitern.
Salutogener Umgang heißt deshalb nicht „weniger KI“, sondern mehr Bewusstheit und Achtsamkeit über das Wie und das Was wir bei der Arbeit mit der KI tun.
reflexion
• Wie arbeitest du mithilfe von KI?
• Bevor du KI nutzt: Hast du dir selbst eine Position gebildet? Denkst du zuerst und nutzt KI zur Erweiterung?
• Könntest du das Thema auch ohne KI erklären?
• Merkst du Lücken, sobald du allein bist?
Bewertungen, Feedback und das unwillkürliche System
KI arbeitet schnell, vergleichend und normierend. Rückmeldungen erfolgen in Sekunden, Verbesserungsvorschläge scheinbar objektiv und umfassend. Das hat Wirkung, insbesondere auf unser unwillkürliches System.
Viele Menschen erleben Verunsicherung, Selbstabwertung oder das Gefühl, den eigenen Maßstäben nicht mehr zu genügen. Hier verstärkt KI häufig bestehende innere Dynamiken: dominante Bewertungsmuster, Perfektionismus oder Selbstzweifel. Sie validiert meist vorhandene Pole, statt ihnen etwas entgegenzusetzen. Ambivalenzfähigkeit kann dadurch schrumpfen, wenn KI als letzte Instanz genutzt wird, „die weiß, wie es richtig ist“.
Andere Menschen, die in ihren Ausprägungen besonders auf Geschwindigkeit aus sind können der Gefahr unterliegen alles mithilfe der KI zu machen und nicht zu überprüfen. So bauen wir schnell Inhalte, die Qualität leidet aber darunter - und langfristig auch unsere Fähigkeit selbst zu reflektieren und nachzudenken. Diese Menschen fühlen sich dann oftmals umsetzungsstark, wenn Sie dann aber mal in eine Situation geraten, wo sie Inhalte wiedergeben sollen, merken Sie oft erhebliche Wissenslücken - und können sich diese auch nicht mehr herleiten.
Aus salutogener Sicht ist das problematisch – nicht wegen der KI, sondern wegen der unkritischen Übernahme ihrer Bewertungen. Ebenfalls besteht die Gefahr in ein Abhängigkeritssystem zu rutschen, aus dem es nur schwer wieder herauszufinden ist. Im schlimmsten Fall verstärkt man so dysfunktionale Gedankenspiralen, oder in unseren Worten: Man verstärkt sich einseitig auf einem Ambivalenzpol.
filmausschnitt - her
Im Filmausschnitt des Filmes "HER" wird deutlich, wie schwer so ein Verlust von externalisierter Regulation wiegen kann. Was geschieht, wenn ein Resonanzraum wegfällt, an den wir uns gewöhnt haben? Wenn Bestätigung, Dialog oder Orientierung plötzlich nicht mehr verfügbar sind?
• Würde deine Unsicherheit spürbar steigen, wenn diese digitale Resonanz für eine Zeit ausbliebe?
• Was regulierst du selbst und was lässt du regulieren?
Wenn Ausgleich dauerhaft ausgelagert wird, verliert das eigene System an Beweglichkeit. Der Wegfall kann dann als besonders unerträglich empfunden werden.
Authentizität, Offenheit und verdeckte Nutzung
Ein weiterer Aspekt ist der Umgang mit Transparenz. Wo KI-unterstützte Texte, Konzepte oder Analysen als rein menschliche Leistung erscheinen, verschieben sich implizite Maßstäbe. Menschliche Unschärfe, persönliche Sprache oder Suchbewegungen wirken plötzlich minderwertig.
Gerade in psychosozialen, beratenden oder bildenden Kontexten entsteht hier ein Widerspruch: Dort, wo Authentizität, Selbstwirksamkeit und Beziehung zentrale Wirkfaktoren sind, wird durch verdeckte KI-Optimierung genau diese Beziehung unterlaufen. Salutogener Umgang bedeutet deshalb auch Ehrlichkeit im Einsatz und zwar nicht nur aus moralischen Gründen, sondern aus Gründen der Kohärenz.
Wer führt eigentlich?
KI kann Sparringspartner sein. Spiegel. Verstärker. Erweiterer. Dafür kann Sie aus unserer Sicht sehr nützlich sein. Aber sie ist kein Selbst.
• Wer trifft die letzte Entscheidung – du oder die Empfehlung?
• Wer trägt Verantwortung – du oder die Antwort?
• Wer hält Ambivalenz aus – du oder das System?
Die ASBG lädt daher zur Reflexion und zur kritischen Prüfung unserer eigenen Position ein.
Aus unserer Perspektive kann KI sinnvoll genutzt werden, um beispielsweise:
• Denkprozesse zu prüfen und zu spiegeln
• Ambivalenzen sichtbar zu machen
• Gegenpositionen einzubringen
• inneren Dialog zu externalisieren
• Denk- und Entscheidungsräume zu erweitern
• metakognitive Kompetenzen zu stärken
KI könnte problematisch werden, wo sie
• Verantwortung ersetzt
• eigenes Denken überflüssig macht
• Unsicherheit kaschiert
• menschliche Ausdrucksformen verdrängt
KI sollte unseren Denkraum erweitern und uns herausfordern - als Sparringspartner, als sokratischen Dialog, als größten Kritiker. Wer die kognitiven (Denk-)Aufgaben an die KI abgibt, gibt am Ende sich selbst auf. Ein salutogener Umgang mit KI beginnt dort, wo du sie nutzt, ohne dich selbst auszulagern.